Fiestas auf Mallorca: Der Festkalender der Insel
Wer nur im Sommer auf Mallorca ist, bekommt vom Festkalender der Insel wenig mit. Die eindrucksvollsten Feste liegen im Winter und im Frühjahr, und sie sind keine Veranstaltungen für Besucher, sondern gewachsene Ortstermine, bei denen ganze Gemeinden auf der Straße stehen. Für Eigentümer und Zugezogene lohnt es sich, die wichtigsten Daten zu kennen – auch ganz praktisch, weil an diesen Tagen Straßen gesperrt sind und in manchen Orten die halbe Nacht durchgefeiert wird.
Januar: Feuer und Dämonen
Das Festjahr beginnt mit Sant Antoni am 16. und 17. Januar. Gefeiert wird der Schutzpatron der Tiere, und gefeiert wird mit Feuer: In den Straßen brennen die foguerons, große offene Feuerstellen, an denen gegrillt, getrunken und gesungen wird, während als dimonis verkleidete Gestalten durch die Menge ziehen. Am spektakulärsten ist das in Sa Pobla, Manacor und Artà, aber kaum ein Dorf lässt den Termin aus. Es ist das Fest, bei dem die ländliche Vergangenheit der Insel am deutlichsten sichtbar wird.
Wenige Tage später folgt Sant Sebastià, der Stadtpatron von Palma, dessen Festtag auf den 20. Januar fällt. Rund um dieses Datum verwandelt sich die Innenstadt für eine gute Woche in eine Bühne: Konzerte auf mehreren Plätzen gleichzeitig, Feuer auch hier, dazu ein dichtes Programm für alle Altersgruppen. Sant Antoni gehört den Dörfern, Sant Sebastià gehört der Stadt – der Kontrast ist Teil des Reizes.
Frühjahr: die Karwoche und das Firó
Die Semana Santa, auf Mallorca Setmana Santa, bringt in der Woche vor Ostern Prozessionen in nahezu jeden Ort. Die Stimmung ist eine völlig andere als im Januar: leiser, ernster, oft eindrucksvoll gerade durch die Zurückhaltung.
Ganz anders das Es Firó in Port de Sóller. Es findet am Montag nach dem zweiten Maisonntag statt und erinnert an den 11. Mai 1561, als die Bewohner einen Angriff nordafrikanischer Korsaren zurückschlugen. Der Hafen wird dafür zur Kulisse einer Nachstellung der Landung; Hunderte Beteiligte in historischen Kostümen liefern sich ein lautstarkes Gefecht zwischen „Mauren“ und „Christen“. Es ist das bekannteste Beispiel für die Moros i Cristians-Feste, die es in verschiedenen Orten der Insel gibt.
Sommer: Johannisnacht und La Patrona
In der Nacht zum 24. Juni, dem Johannistag, brennen an vielen Stränden der Insel Feuer – die Nit de Sant Joan ist einer der Termine, an denen sich die Küstenorte spürbar füllen.
Am 2. August feiert Pollença sein Patronatsfest zu Ehren der Mare de Déu dels Àngels, bekannt als La Patrona. Auch hier stehen sich Mauren und Christen gegenüber, und auch hier ist die Beteiligung der Bevölkerung so hoch, dass der Ort an diesem Tag praktisch nur zu Fuß funktioniert.
September: La Beata
Am ersten Sonntag im September richtet Santa Margalida die Festes de la Beata aus, das Fest zu Ehren von Santa Catalina Thomàs. Die 1531 in Valldemossa geborene und 1574 in Palma gestorbene Ordensfrau wurde 1792 seliggesprochen; seither begehen mehrere Gemeinden – neben Santa Margalida vor allem Valldemossa und Palma – ihren Festtag.
Der Ablauf in Santa Margalida ist berühmt: Am Morgen ziehen Dämonen mit Glocken durch die Gassen und wecken den Ort, am Abend folgt die Prozession, angeführt von der Beata, begleitet von Bauern in Tracht, Musikkapellen und Wagen, die Stationen aus ihrem Leben zeigen. Wer nur ein einziges Dorffest auf Mallorca sehen möchte, ist hier gut aufgehoben.
Der 31. Dezember: Festa de l’Estendard
Das Jahr endet, wie es begonnen hat – mit Geschichte. Die Festa de l’Estendard in Palma erinnert an den 31. Dezember 1229, den Tag, an dem König Jaume I. in Madina Mayurqa einzog. Sie gilt als eine der ältesten bürgerlichen Feiern Europas und steht als immaterielles Kulturerbe unter Schutz. Der Consell de Mallorca begeht denselben Tag als Diada de Mallorca, den Inseltag.
Was das für den Alltag bedeutet
Drei Dinge sind gut zu wissen. Erstens: Die genauen Termine der Ortsfeste verschieben sich, weil viele an Wochentage oder Sonntage gebunden sind statt an ein festes Datum – ein Blick in den Kalender der jeweiligen Gemeinde vor der Planung lohnt sich. Zweitens: An Festtagen sind Ortskerne oft weiträumig gesperrt, und das betrifft auch Zufahrten zu Wohnstraßen. Drittens, und das ist der eigentliche Punkt: Diese Feste sind der schnellste Weg, eine Gemeinde kennenzulernen. Wer überlegt, sich irgendwo auf Mallorca niederzulassen, erfährt an einem Festtag mehr über den Ort als bei drei Besichtigungen im August.
