Restaurantführer Mallorca: von Sterneküche bis Celler

Mallorcas Gastronomie hat sich in den letzten fünfzehn Jahren stärker verändert als fast alles andere auf der Insel. Neben die Strandrestaurants und die Dorfwirtschaften ist eine Sterneküche getreten, die international wahrgenommen wird – und die traditionelle Küche hat davon eher profitiert als gelitten. Dieser Überblick sortiert das Feld.

Die Sternehäuser

An der Spitze steht seit einigen Jahren unangefochten Voro in Canyamel in der Gemeinde Capdepera. Das Haus von Álvaro Salazar ist in der Ausgabe 2026 des Guide Michelin das einzige Restaurant der Insel mit zwei Sternen. Salazar verbindet seine andalusische Herkunft mit balearischen Produkten; der Guía Repsol hat das Restaurant 2026 zusätzlich mit drei Soles ausgezeichnet, der höchsten Stufe dieses spanischen Führers.

Darunter liegt eine breite Gruppe von Ein-Stern-Häusern, die sich über die ganze Insel verteilt. In Palma sind das Marc Fosh, Dins by Santi Taura und Zaranda unter Fernando Arellano. Im Südwesten führt Jordi Cantó die Küche von Sa Clastra im Castell Son Claret bei Es Capdellà, dazu kommt Es Fum im Hotel Mardavall. Im Süden steht Andreu Genestra in Llucmajor, im Norden Maca de Castro in Port d’Alcúdia und Fusión 19 in Playa de Muro, an der Westküste Béns d’Avall bei Sóller, wo Benet Vicens seit Jahrzehnten kocht.

Interessanter als die Sterne selbst ist eine zweite Auszeichnung: der Grüne Stern für nachhaltige Gastronomie. Ihn tragen auf Mallorca unter anderem Andreu Genestra, Béns d’Avall und Ca na Toneta; neu hinzugekommen ist Terrae in Port de Pollença unter David Rivas. Für eine Insel, die einen erheblichen Teil ihrer Lebensmittel importiert, ist das eine Kategorie mit Gewicht.

Die Cellers: Tradition im Landesinneren

Wer die andere Seite der mallorquinischen Küche kennenlernen will, fährt ins Landesinnere. Die Cellers sind ehemalige Weinkeller, die zu Restaurants wurden – hohe Gewölbe, mächtige Holzfässer an den Wänden, Papiertischdecken und eine Karte, die sich seit Jahrzehnten kaum ändert. Inca ist die bekannteste Celler-Stadt der Insel, aber auch in anderen Orten des Inselinneren finden Sie diesen Typus.

Was hier auf den Tisch kommt, ist Bauernküche: kräftig, fleischlastig, in Portionen bemessen, die nach einem Arbeitstag auf dem Feld gedacht waren. Wer mittags in einem Celler isst, plant für den Nachmittag besser nichts Anspruchsvolles ein.

Fünf Gerichte, die Sie probiert haben sollten

Tumbet ist das mallorquinische Gemüsegericht schlechthin: Kartoffeln, Auberginen und Zucchini, geschichtet und im Ofen gegart, dazu geröstete Paprika, Knoblauch und Tomate. Es gibt Varianten mit Fleisch oder Fisch, die vegetarische ist die klassische.

Arròs brut, wörtlich „schmutziger Reis“, kommt meist im Tontopf: Reis in kräftiger Brühe mit Gemüse, Fleisch und Innereien, die dem Gericht seine dunkle Farbe geben. Ein Winteressen.

Frit mallorquí ist die Pfannenversion desselben Prinzips – Innereien, Kartoffeln, Paprika und Fenchel, scharf angebraten. Nicht jedermanns Sache, aber eines der ehrlichsten Gerichte der Insel.

Sobrassada, die weiche, mit Paprika gewürzte Streichwurst, essen Sie am einfachsten roh auf Brot. Sie taucht auf Mallorca aber in erstaunlich vielen Zusammenhängen auf, bis hin zu Süßspeisen.

Ensaïmada schließlich ist das Gebäck, das jeder vom Flughafen kennt: ein spiralförmiger Hefeteig, klassisch mit Puderzucker bestäubt. Frisch aus einer guten Bäckerei hat sie mit der Version aus der Geschenkschachtel wenig zu tun.

Der Wein dazu

Mallorca hat zwei eigene Herkunftsbezeichnungen. Die D.O. Binissalem liegt im Zentrum der Insel und ist vor allem für Rotweine aus der einheimischen Rebsorte Manto Negro bekannt. Die D.O. Pla i Llevant erstreckt sich über den Osten und bringt Rote, Weiße und Rosés hervor; neben Manto Negro spielt hier die Sorte Callet eine Rolle. Dazu kommen zahlreiche Weingüter außerhalb der beiden Denominationen, unter anderem an der Nordküste und in der Serra de Tramuntana.

Praktisch heißt das: Die Weinkarte eines guten mallorquinischen Restaurants führt Sie durch eine Region, die Sie in Deutschland kaum im Supermarkt finden. Wer sich einlesen will, fährt eine der Weinrouten im Inselinneren ab – die Güter liegen dicht beieinander und die meisten empfangen Besucher.

Märkte statt Restaurants

Wer selbst kocht, kommt an den Markthallen nicht vorbei. Der Mercat de l’Olivar an der Plaça de l’Olivar in Palma ist der größte und wichtigste Markt der Insel; unter einem Dach reihen sich über hundert Stände mit Obst, Gemüse, Fleisch, Geflügel, Fisch, Meeresfrüchten, Käse und Wurstwaren, dazu ein umfangreiches gastronomisches Angebot mit Wein und Tapas. Etwas kleiner und im Charakter jünger ist der Mercat de Santa Catalina im gleichnamigen Viertel, wo neben frischen Produkten Stände mit Tapas, Sushi und Säften stehen.

Für Eigentümer ist das mehr als eine Sehenswürdigkeit: Beide Märkte sind reguläre Einkaufsorte, und die Qualität an den Fisch- und Fleischtheken liegt deutlich über dem, was der Supermarkt an derselben Straße führt.

Praktische Hinweise

Drei Dinge unterscheiden das Essengehen auf Mallorca vom deutschsprachigen Alltag. Erstens die Uhrzeiten: Vor 20:30 Uhr ist in vielen guten Häusern wenig los, und die Küche schließt entsprechend spät. Zweitens die Saison – ein erheblicher Teil der Restaurants an der Küste macht im Winter mehrere Wochen bis Monate zu, während die Lokale in Palma und im Inselinneren ganzjährig geöffnet sind. Wer im Januar unterwegs ist, prüft das besser vorher.

Und drittens die Reservierung. Bei den Sternehäusern ist sie in der Hochsaison Wochen im Voraus nötig; bei den Cellers und guten Dorfrestaurants gilt das sonntagmittags ebenso, weil dann die mallorquinischen Familien kommen. Genau das ist übrigens das verlässlichste Qualitätsmerkmal, das Sie auf dieser Insel finden können: Wo am Sonntag drei Generationen an einem Tisch sitzen, stimmt die Küche.

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